Wir alle kochen mit Wasser
Aber in Social Media Posts sieht es aus, als würden manche mit flüssigem Gold kochen.
Jeder kann behaupten, er sei "Visionär", "Empath", "Stratege", "Experte". AI poliert jeden Text auf, was die Vertrauenswürdigkeit schriftlicher Aussagen in den freien Fall treibt.
Das Problem ist nicht neu. Helmut Willke [1] nennt es den „Kontext der Relevanz": Jede Aussage ist fragwürdig, wenn man ihre Quellen nicht kennt. Jede Kompetenzbehauptung ist hohl, wenn sie sich nicht prüfen lässt.
Die Frage ist nicht: Was sagst du über dich? Die Frage ist: Wer kann es bestätigen – und wie?
Deshalb schlage ich ein Gütklasse vor - im Sinnbild des Wasserkochers. Keine Selbstbeweihräucherung. Kein Hochglanz. Einfache Güteklassen der Vertrauenswürdigkeit.
DIE GÜTEKLASSEN
Vertrauen hat Klassen. Nicht jede Aussage ist gleich viel wert. Hier ist mein Vorschlag für eine ehrliche Einordnung:

Klasse W – Forschung trifft Realität
"Das sagt die Wissenschaft. Und so hat es sich in meiner Praxis gezeigt."
Quelle: Peer-reviewed Studien, Meta-Analysen, etablierte Frameworks, Fachliteratur, Bücher.
Validierung: Eigene Erfahrung, dokumentierte Fälle, befragbare Zeugen.
Prüfbar: ✅✅ Was ich sage hat Quellen, referenzierbare Erfahrungen. Was ich tue hat Zeugen, Menschen sind anrufbar
Gütesiegel: Theorie ohne Praxis ist Spekulation. Praxis ohne Theorie ist Zufall. Beides zusammen ist Substanz.

Klasse E – Experiment
"Lass uns gemeinsam herausfinden, ob wir zusammenpassen."
Format: Probeprojekt, Workshop, gemeinsamer Tag.
Quelle: Direkte Erfahrung statt Erzählung.
Risiko: Für beide Seiten
Prüfbar: ✅✅✅ Gemeinsame Erfahrungen
Gütesiegel: Vertrauen durch beidseitige Erfahrung – in Echtzeit.

Klasse D – Selbstbeschreibung
"Ich bin visionär, empathisch, strategisch. Ich stelle folgende Hypothesen auf: ..."
Quelle: Ich selbst.
Prüfbar: ❌ Nein.
Gütesiegel: Marketing. Kein Beleg.

Klasse C – Soziale Bestätigung
"So finden Andere meine Inhalte"
Likes, Kommentare, LinkedIn-Empfehlungen, aber inhaltliche Relevanz muss sich nicht an der Anzahl der Likes bemessen.
Prüfbar: ⚠️ Eingeschränkt. Verzerrt.
Gütesiegel: Wohlwollen. Kein Belastungstest.

Klasse B – Konkrete Fremdaussagen
"Mit ihm im Projekt X unter Zeitdruck Y ist Folgendes passiert …"
Quelle: Ehemalige Kolleg:innen, Mitarbeiter:innen. Enthält: Widersprüche, Ambivalenzen, Grenzen.
Prüfbar: ✅ Konkrete Fremdaussagen
Gütesiegel: Realität mit Ecken und Kanten.

Klasse A – Direkte Referenzierbarkeit
"Ruf diese Person an. Frag sie selbst."
Prüfbar: ✅✅ Ja.
Risiko: Minimal.
Gütesiegel: Vertrauen durch "neutrale" Referenzen.
Meine Trust-Level
Ich behaupte nicht – ich belege. Entweder mit wissenschaftlicher Relevanz oder eigenen Erfahrungen.
Was ich anbiete:
- Klasse A – Anrufbare Referenzen: Menschen, die mit mir gearbeitet haben. Bei JobRad. Im Gebetshaus Freiburg. In Projekten unter Druck. Sie können dir erzählen, wie ich wirklich bin – nicht wie ich gerne wäre.
- Klasse W – Wissenschaftlich fundiert + lebenspraktisch bewährt: Mein Buch enthält über 250 Qullen (Bandura, Edmondson, Lencioni, Porges, Zenger Folkman). Nicht als Dekoration – sondern verbunden mit konkreten Erfahrungen aus 15+ Jahren Führung. Ich kann dir die wissenschaftliche Bedeutung situativ in deinem Kontext erläutern und den Zusammenhang erklären.
- Klasse B – Konkrete Situationen: Keine abstrakten Weisheiten. Sondern echte Erlebnisse, jedoch anonymisiert und abgeschwächt um im öffentlichen Raum die Vertraulichkeit zu wahren. Lies "Zeitlos Verwurzelt" und du wirst es spüren.
Quellen
- [1] H. Willke, Einführung in das systemische Wissensmanagement, 2011, Carl Auer Verlag, ISBN 978-3-89670-824-3
